Kostenfrei zum neuen Job – warum der Vermittlungsgutschein trotzdem kaum bekannt ist

Teil der Studienreihe „Marktpotenzial AVGS“

Dieser Beitrag ist Teil der Studienreihe von AVP Berlin und dem BIFI – Berliner Institut for Innovation

Er beleuchtet, warum der Vermittlungsgutschein so wenig genutzt wird – und was passieren müsste, damit er sein Potenzial entfalten kann.

Ein Angebot, das kaum jemand kennt

Der AVGS existiert seit vielen Jahren und soll Arbeitssuchenden helfen, schnell und individuell Unterstützung zu erhalten.
Doch die Studie zeigt: Die Mehrheit weiß gar nicht, dass es ihn gibt.

In Befragungen wussten nur wenige Teilnehmende,

  • dass der Gutschein kostenfreie Vermittlungsunterstützung ermöglicht,
  • dass er nicht zurückgezahlt werden muss,
  • und dass er von privaten Vermittler:innen eingelöst werden kann.

Das Förderinstrument ist also nicht unbeliebt – es ist unsichtbar.

Wie Informationsdefizite entstehen

  1. Komplexe Sprache
    Informationen zu Förderprogrammen sind meist in Verwaltungssprache formuliert. Viele verstehen weder, wer anspruchsberechtigt ist, noch, wie sie den Antrag stellen.
  2. Fehlende Kommunikation durch Behörden
    In vielen Fällen wird der AVGS nur auf Nachfrage erwähnt, nicht aktiv angeboten. Damit bleibt das Instrument ein „Geheimtipp“.
  3. Verwechslung mit anderen Maßnahmen
    Arbeitssuchende ordnen den AVGS häufig fälschlich in die Kategorie „Maßnahme“ oder „Training“ ein – mit entsprechender Skepsis.

Was dadurch verloren geht

Die Folgen sind deutlich:

  • Weniger Vermittlungserfolge trotz hoher Nachfrage nach Arbeitskräften
  • Sinkende Trägerzahlen, weil sich der Aufwand wirtschaftlich nicht mehr trägt
  • Fehlendes Vertrauen in die Wirksamkeit staatlicher Förderung

Kurz gesagt: Ein wirksames Werkzeug liegt brach, weil es keiner nutzt.

Wie der AVGS bekannter werden kann

Die Studie formuliert konkrete Ansätze:

  1. Einfache, klare Botschaft
    „Mit dem AVGS bekommen Sie kostenlose Unterstützung bei der Jobsuche – von einer privaten Vermittlung Ihrer Wahl.“
    Mehr braucht es im ersten Schritt nicht.
  2. Gezielte Öffentlichkeitsarbeit
    Kooperation mit Jobportalen, regionalen Netzwerken und Multiplikatoren (z. B. Kammern, Migrantenorganisationen, Fraueninitiativen).
  3. Transparente Erfolgsgeschichten
    Reale Beispiele zeigen Wirkung besser als Flyer. Wer sieht, dass Vermittlung funktioniert, wird aktiv.
  4. Digitale Antragshilfe
    Online-Formulare mit klaren Schritten statt Papier-Dschungel.

Kommunikation als Schlüssel

Die Befragung macht deutlich:
Nicht die Inhalte des AVGS müssen reformiert werden – die Kommunikation muss verständlich werden.

„Ich wusste gar nicht, dass das für mich gilt“,
sagte eine Teilnehmerin, die nach dem Interview sofort einen Antrag stellte.

Solche Aussagen zeigen, dass Information selbst eine Form der Aktivierung ist.

Fazit

Der AVGS ist kein bürokratisches Relikt, sondern ein unterschätztes Förderinstrument.
Er kann helfen, individuelle Wege in Arbeit zu finden – wenn er sichtbar wird.
Das System braucht keine neuen Programme, sondern klare Worte:
Was hilft, muss auch erklärt werden.

Nächster Artikel der Serie:
„Ein Markt im Wandel: Warum der AVGS seine Wirkung verliert – und was das ändert“

Berlin, 15.04.2026