Kostenfrei zum neuen Job – warum der Vermittlungsgutschein trotzdem kaum bekannt ist

Teil der Studienreihe „Marktpotenzial AVGS“

Dieser Artikel bildet den Abschluss der Studienreihe von AVP Berlin und dem BIFI – Berliner Institut for Innovation

Die Untersuchung beleuchtet Angebot, Nachfrage und Motivation im System der geförderten privaten Arbeitsvermittlung (§ 45 SGB III).

Ein Instrument verliert an Reichweite

Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) sollte eigentlich die Brücke schlagen zwischen Arbeitslosigkeit und Beschäftigung. Er ermöglicht kostenfreie Unterstützung durch private Arbeitsvermittler:innen. Doch das Instrument verliert an Reichweite – trotz seines klaren Nutzens.

Die Studie zeigt:
Zwischen 2020 und 2024 ist die Zahl der zugelassenen Vermittlungsträger um 35 % gesunken, die Zahl der ausgegebenen Gutscheine um rund 70 %.
Weniger als 2.000 Gutscheine werden jährlich tatsächlich eingelöst. Das System schrumpft – und mit ihm ein ganzer Markt.

Gründe für den Rückgang

Die Ursachen liegen auf mehreren Ebenen:

  1. Bürokratisierung: Der Prozess zur Beantragung und Einlösung des Gutscheins gilt als aufwendig und wenig transparent.
  2. Informationsdefizit: Viele Arbeitssuchende wissen nicht, dass sie Anspruch auf einen AVGS haben – oder verstehen die Funktionsweise nicht.
  3. Struktureller Druck: Zertifizierte Vermittlungsstellen geben ihre Zulassung auf, weil Aufwand und Kosten den Ertrag übersteigen.
  4. Vertrauenslücke: Sowohl Bewerber:innen als auch Unternehmen sind verunsichert, was Leistungsumfang und Nutzen betrifft.

Damit verliert der AVGS genau dort an Wirkung, wo er am meisten gebraucht wird – bei Menschen, die Orientierung und individuelle Begleitung suchen.

Motivation ist nicht das Problem

Ein zentrales Ergebnis der Studie:
Die Mehrheit der Befragten ist motiviert, eine Arbeit aufzunehmen. Es fehlt also nicht am Willen, sondern am Zugang zu einer funktionierenden Struktur.

Private Arbeitsvermittlung könnte diesen Zugang bieten – schnell, individuell und praxisnah. Doch wenn das System unverständlich bleibt, wird es nicht genutzt. Der AVGS ist damit ein wirksames, aber schlecht erreichbares Werkzeug.

Folgen für den Markt

Der Rückgang betrifft nicht nur Arbeitssuchende, sondern auch Anbieter:

  • Weniger Trägerzulassungen bedeuten geringere Wettbewerbsvielfalt.
  • Sinkende Nutzung verringert Erfahrungswerte und Erfolgsgeschichten.
  • Fehlende Sichtbarkeit führt dazu, dass Politik und Öffentlichkeit die Relevanz der privaten Vermittlung unterschätzen.

Die Studie warnt: Wenn diese Entwicklung anhält, geht der Marktanteil privater Vermittlung dauerhaft verloren – obwohl das Instrument selbst funktioniert.

Wege aus der Stagnation

Die Untersuchung zeigt mehrere Handlungsfelder, um das Potenzial wieder zu aktivieren:

  1. Transparente Kommunikation – einfache Sprache, klare Anleitung zum Gutschein.
  2. Sichtbarkeit erhöhen – Vermittlungserfolge offen darstellen, Vertrauen schaffen.
  3. Verfahren digital vereinfachen – weniger Papier, schnellere Wege.
  4. Rolle der PAVs stärken – echte Beratung statt reiner Abwicklung.

Damit könnte der AVGS wieder das werden, was er ursprünglich war: ein flexibles Förderinstrument, das Chancen sichtbar macht.

Fazit

Der Markt für Vermittlungsgutscheine ist nicht tot – er ist blockiert.
Was fehlt, sind Information, Vertrauen und politische Aufmerksamkeit.
Wenn es gelingt, das System verständlicher und zugänglicher zu gestalten, kann die private Arbeitsvermittlung ihre Wirkung wieder entfalten.

Abschluss der Serie

Mit diesem Beitrag endet die Reihe „Marktpotenzial AVGS“.
Alle Artikel basieren auf der im Sommer 2025 durchgeführten Studie von AVP Berlin.

Berlin, 15.05.2026